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Die Webseite für LeiterInnen von Schulkindergärten
von Marianne Broglie, Diplom-Sozialpädagogin
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Gästebucheintrag

von Herrn Gerd Laudert-Ruhm
vom 23.10.2007 9:19 Uhr

Liebe Frau Broglie,

ich bin Lehrer (Jg. 1954) an der Grundschule Hodenhagen, Landkreis Soltau-Fallingbostel, und habe in diesem Schuljahr die Leitung unseres Kleinen Schulkindergartens übernommen. Seitdem profitiere ich immer wieder von den informativen und hilfreichen Beiträgen im SKG-Forum und danke Ihnen sehr für diese tolle website.

Die neue Arbeit im SKG macht mir große Freude, zumal ich jetzt wieder mehr heilpädagogisch arbeiten kann. (Ich hatte vor meiner Lehrerausbildung ein FHS-Studium Heilpädagogik absolviert.)

Sorgen macht mir umso mehr die Zukunft des Schulkindergartens in Niedersachsen bzw. die mittelfristig zu befürchtende Abschaffung der SKG zugunsten der so genannten jahrgangsgemischten Eingangsstufe. Dazu hätte ich einige Fragen, die Sie mir vielleicht beantworten können:

Frage 1:

Wie viele SKG gibt es z. Zt. noch in Niedersachsen? (Anfang 2002 gab es lt. HAZ 433 Schulkindergärten an 1800 Grundschulen.)

 

 

Antwort des
SKG-Forums:

Eine genaue Anzahl der SKG zu nennen, ist sehr schwierig. Jeder kennt nur die Zahlen aus seinem engeren Umfeld. Ich weiß, dass z.B. in einer kleinen Stadt hier in der Nähe die Anzahl der Schulkindergärten drastisch reduziert wurde: Bisher gab es drei SKG, nun ist es nur noch einer.
Das niedersächsische Landesamt für Statistik nennt für September 2006 die Zahl 392 mit 401 Klassen und 3 959 Schülern. Wir hatten damals 1852 Grundschulen. Im September 2005 waren es noch 419 Schulkindergärten mit 430 Klassen . Meine Schätzung liegt bei etwa 300 Schulkindergärten im Schuljahr 2007/08 in Niedersachsen.

Das statistische Bundesamt Deutschland nennt folgende Zahlen: 2004/05 gab es 29.396 Schulkindergärten (was immer man darunter auch versteht), 2005/06 waren es nur noch 21.820 (-25,8 %) in Deutschland.

Die Sozialpädagogen, die bisher in diesen Einrichtungen gearbeitet haben, sind in den Ruhestand gegangen oder wurden in die Arbeit der GS integriert (begleitende Förderung, Sprachfördermaßnahmen vor der Einschulung, Arbeitsgemeinschaften. Aber sie unterrichten auch Sport, Werken, Kunst, Musik, Textil). Ich habe auch von Kollegen gehört, die Sachunterricht geben.

 

 

Frage 2:

Wie viele davon sind Kleine Schulkindergärten? (Sind das SKG mit weniger als 10 SchülerInnen?) Hat die Bezeichnung 'Kleiner SKG' irgendeine Relevanz, z.B. bezüglich der Lehrerstunden-Zuweisung? Wie viele Lehrerstunden werden einer Grundschule pro SKG-Kind zugewiesen?

 

 

Antwort des
SKG-Forums:

Den Ausdruck "Kleiner Schulkindergarten" kenne ich gar nicht. Pro Kind gab es früher 1,5 Lehrerstunden. Diese Regel wurde in den meisten Grundschulen beibehalten. Die übrige Zeit (20 Unterrichtstunden sind im SKG verpflichtend) sollen die Kinder am Unterricht der 1. Klasse teilnehmen (Sport, Musik, Religion, Kunst usw.).
Fakt ist allerdings auch, dass die Gruppenstärke von Jahr zu Jahr geringer ausfällt. Man hat den Eindruck, dass bei der Schuluntersuchung im Gesundheitsamt die Ärzte angewiesen sind, keine Empfehlungen für den Schulkindergarten mehr abzugeben.

 

 

Frage 3:

An wie vielen Grundschulen in Niedersachsen ist - seit der möglichen Einführung ab 2004 - die jahrgangsgemischte Eingangsstufe realisiert?

 

 

Antwort des
SKG-Forums:

Diese Zahl kann Ihnen sicher das Kultusministerium nennen, ich habe darüber keine Informationen.

 

 

Frage 4:

Gibt es im Zusammenhang mit dem seit August 2007 laufenden Brückenjahr-Programm bereits einen konkreten Zeitplan bezüglich einer generellen Abschaffung der SKG in Niedersachsen? (Wir hatten Anfang Oktober die Schulinspektion an unserer Schule. Die Inspektorin bemerkte in einem Gespräch, die Abschaffung der SKG sei - selbstverständlich - eines der Ziele des Brückenjahr-Programms.)

 

 

Antwort des
SKG-Forums:

Seit vielen Jahren wird über die Abschaffung des Schulkindergartens gesprochen und viele existieren ja auch nicht mehr. Aber im NIEDERSÄCHSISCHEN SCHULGESETZ steht in § 6 Absatz 3: "Für schulpflichtige, aber noch nicht schulfähige Kinder kann bei einer Grundschule ein Schulkindergarten eingerichtet werden. Im Schulkindergarten werden die Kinder durch geeignete pädagogische Maßnahmen auf den Besuch des 1.Schuljahrgangs vorbereitet."
Was in den Köpfen der Politiker allerdings so vor sich geht, weiß man ja nie. Wir wissen alle, es geht immer um's Geld, selten wirklich um die Verbesserung der Qualität und die optimale Förderung der Kinder.

 

 

Frage 5:

Das Programm Brückenjahr läuft ab 01.08.2007 und wird für insgesamt vier Jahre (in zwei mal 250 Modellprojekten) mit insgesamt 20 Mio. Euro gefördert. Daraus könnte man schließen: Der Bestand der derzeit bestehenden SKG kann zumindest noch für vier Jahre (oder nur für zwei?) als gesichert gelten. Ist diese Einschätzung aus Ihrer Sicht realistisch?

Mir ist im übrigen aufgefallen, dass die Bezeichnung Schulkindergarten zunehmend unschärfer definiert wird; es scheint so, als werde unter diesem Begriff ganz Unterschiedliches verstanden:

 

-

der klassische SKG (Förderklasse für schulpflichtige, noch nicht schulfähige Kinder)

 

-

Es gibt offenbar auch Schulkindergärten für /behinderte/ schulpflichtige Kinder.

 

-

Das so genannte Brückenjahr wird in der Presse auch als Schulkindergarten-Jahr bezeichnet.

 

-

In Lüneburg (auch anderswo in NDS?) scheint man mit SKG eine spezielle Förderklasse - in der 1. Jahrgangsstufe - zu bezeichnen (die also parallel zu den normalen 1. Klassen arbeitet); folglich müssten diese Kinder nach dem SKG-Jahr in die 2. Klasse überwechseln.
(Aus der HP der Igelschule Lüneburg: Kinder, die noch nicht schulreif sind, kommen in den kleinen Schulkindergarten. Dort haben sie täglich drei Stunden Unterricht. Sie arbeiten nach den gleichen Lehrgängen wie die ersten Klassen, allerdings ist die Gruppe kleiner.)

Ich finde, es spricht vieles für die Beibehaltung der bestehenden Schulkindergärten, auch wenn die Befürworter der Eingangstufe sicher einige gute Argumente anführen können. Allerdings scheint sowohl das Brückenjahr-Modell als auch die Eingangsstufe mit so unzureichenden personellen und finanziellen Ressourcen ausgestattet zu sein (wie das in der Schulpolitik allzu häufig der Fall ist ...!), dass im Vergleich zwischen Eingangsstufe und SKG die Schulkindergärten vielleicht doch die bessere Alternative darstellen ...

 

 

Antwort des
SKG-Forums:

 

Inwieweit sich das Brückenjahr auf den Bestand der Schulkindergärten auswirkt, kann ich nicht einschätzen. Auf jeden Fall wird viel Geld in dieses Projekt gepumpt. Bleibt nur die Hoffnung, dass es auch da ankommt, wo es gebraucht wird.

Der Begriff "Schulkindergarten" ist ja schon sehr alt, bereits 1907 wurde in Berlin der erste eingerichtet. (s.a. www.kindergartenpaedagogik.de/416.html). Das Ziel ist immer noch das gleiche: Wir wollen Kinder auf die Schule vorbereiten und ihnen helfen, Defizite auszugleichen.

In der niedersächsischen Debatte um die Benennung des letzten Jahres im Kindergarten fiel anfangs immer auch das Wort Schulkindergarten. Doch da gab es Widerstand, denn den Schulkindergarten haben wir ja bereits. Nun heißt es "Brückenjahr".

Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg für Ihre / unsere website!

Mit freundlichen Grüßen aus Walsrode

Gerd Laudert-Ruhm

Antwort:
Lieber Herr Laudert-Ruhm,
über Ihre anerkennenden Worte zu meiner Website habe ich mich sehr gefreut.
Sie sprechen zukunftsrelevante Themen an, die mit Sicherheit so manche in unserer Branche - auch außerhalb Niedersachsens - beschäftigen. Gern habe ich mich bemüht, Ihre Fragen aus meiner Sicht möglichst ausführlich zu beantworten. Vielleicht regt die Lektüre dieses Beitrags den einen oder anderen Besucher des SKG-Forums an, kompetente Antworten, eigene interessante Erkenntnisse oder weitere Fragen in das Gästebuch einfließen zu lassen.

Mit den besten Grüßen
Marianne Broglie, SKG-Forum

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